von hr
S1/F8: Resilienz statt Rückzug – Wie du dich mental stärkst, bevor es zu spät ist
Es gibt diese Tage, da möchtest du einfach nur untertauchen.
Nicht sprechen. Nicht reagieren. Nicht funktionieren.
Rückzug scheint das Einzige, was noch möglich ist.
Wie eine letzte Schutzreaktion deines Systems, das längst überlastet ist.
Doch zwischen Rückzug und Resilienz liegt ein feiner, aber entscheidender Unterschied.
Rückzug ist oft das Ergebnis von Erschöpfung. Ein Zeichen, dass du keine Energie mehr hast, um mit der Welt zu interagieren.
Resilienz dagegen ist die Fähigkeit, dich trotz Druck, trotz Erschöpfung, trotz Chaos innerlich wieder aufzurichten.
Resilienz wird oft als etwas dargestellt, das man lernen muss.
Als Werkzeugkasten, mit Übungen, Tipps, Routinen.
Aber in Wahrheit ist Resilienz kein Tool.
Sie ist ein Zustand.
Ein inneres Gefühl von: Ich kann. Ich darf. Ich muss nicht alles alleine tragen.
Und dieses Gefühl ist in jedem von uns angelegt.
Du hast es vielleicht nur vergessen.
Vergraben unter all den Anforderungen, unter Erwartungen, unter deiner Fähigkeit, immer stark zu sein.
Resilienz beginnt nicht mit Aktion.
Sie beginnt mit einem Innehalten.
Mit der Erlaubnis, ehrlich zu sein: Wie geht es mir wirklich?
Was kostet mich Kraft – und was gibt sie mir zurück?
Menschen, die lange gegen sich arbeiten, verlieren nicht nur ihre Energie.
Sie verlieren auch das Vertrauen in sich selbst.
In die eigene Belastbarkeit. In die Fähigkeit, Grenzen zu setzen.
Und in das Wissen, dass sie mehr sind als das, was sie leisten.
Genau hier setzt Resilienz an:
Nicht in dem Moment, wo alles gut läuft – sondern genau dort, wo es schwer wird.
Resilient ist nicht der, der nie fällt.
Sondern der, der spürt, dass er fällt – und sich trotzdem wieder aufrichtet.
Langsam vielleicht. Zögerlich. Aber aus eigener Kraft.
Viele entdecken diese Kraft erst, wenn sie ihr gewohntes Umfeld verlassen.
Wenn niemand etwas von ihnen erwartet.
Wenn sie für einen Moment nicht erreichbar, nicht abrufbar, nicht im Dienst sind.
Deshalb ist Meerzeit nicht nur eine Auszeit.
Es ist ein Erfahrungsraum für Resilienz.
Ein Ort, an dem du erlebst, dass du wieder ruhig werden kannst.
Dass du nicht untergehst, wenn du mal nichts tust.
Dass du nicht weniger wert bist, wenn du Pause machst.
Dort, auf dem Boot, beginnt bei vielen Menschen zum ersten Mal seit Langem wieder ein innerer Dialog.
Nicht: Was muss ich tun?
Sondern: Was brauche ich gerade?
Nicht: Wie wirke ich auf andere?
Sondern: Wie fühle ich mich in mir?
Und genau das ist der Beginn von echter Stärke.
Nicht laut. Nicht sichtbar. Aber tief verankert.
Im nächsten Beitrag geht es um dein Nervensystem –
und warum es der beste Kompass ist, um zu erkennen, wann du Ruhe brauchst,
wann du handeln kannst – und wann du einfach nur atmen solltest.
Meerzeit – weil deine Stärke im Stillwerden beginnt.
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